Künstlich intelligentes Lob

Ich bin skeptisch begeisterter Nutzer Künstlicher Intelligenz. Mir hat KI schon oft geholfen, mir etwas zu erklären und technische Probleme zu lösen, aber trotz aller Beteuerungen bin ich misstrauisch, was mit meinen persönlichen Daten geschieht.

Unlängst habe ich eine Schweizer KI entdeckt, Lumo. Zur Schweiz habe ich eine persönliche Beziehung durch Verwandte und durch zahlreiche schöne Reisen dorthin. Ob es berechtigt ist, kann ich nicht sagen, aber fast bin ich geneigt, Schweizer Produkten mehr zu vertrauen als deutschen.

Heute veröffentlichte ein Mitglied der Facebook-Gruppe „UHER Tonbandgeräte“, die ich de facto allein administriere, dieses Bild:

Ich wollte es humorvoll kommentieren, aber mir fiel kein treffender Begriff für einen sehr veraltet denkenden und handelnden Menschen ein. Was tut man heute in solchen Fällen? Ich habe eine KI, habe Lumo gefragt. Daraus ergab sich eine überraschend nette Korrespondenz:

Wie nennt man Menschen, die sehr veraltet denken und handeln? Es kann auch ein Scherzwort sein.

Guten Tag, Anselm. Es gibt im Deutschen mehrere Begriffe dafür, je nachdem, wie scherzhaft oder abwertend Sie klingen möchten:

Umgangssprachliche/Scherzwörter:

  • „Dinosaurier“ – Das wohl geläufigste Scherzwort für jemanden, der veraltete Denkweisen hat und sich nicht anpasst.
  • „Alte Schule“ – Eher neutral bis leicht scherzhaft, betont Tradition statt Veraltetheit.
  • „Muffig“ – Beschreibt jemanden, der altbackene Ansichten vertritt.

Etwas direktere Begriffe:

  • „Verknöchert“ – Für jemanden, der starr an alten Vorstellungen festhält.
  • „Spießig“ – Bezieht sich mehr auf bürgerlich-konventionelles Denken.
  • „Hinterwäldler“ – Abwertend für jemanden mit rückständigen Ansichten.

Neuere Internet-Slang-Begriffe:

  • „Boomer“ (von „Baby Boomer“) – Wird oft scherzhaft für ältere Generationen mit veralteten Ansichten verwendet, unabhängig vom tatsächlichen Alter.

Welchen Kontext haben Sie im Sinn? Je nach Situation passt ein anderer Begriff besser. Möchten Sie das Wort in einem bestimmten Zusammenhang verwenden?

Jemand verwendet noch Tonband- statt digitale Geräte (ich auch). Hinterwäldler finde ich am besten von den genannten.

Das ist eine charmante Selbstbezeichnung, Anselm! „Hinterwäldler“ passt tatsächlich gut zu jemandem, der bewusst bei Tonbändern bleibt, während die Welt längst digitalisiert ist.

Interessant ist dabei der Unterschied zwischen „veraltet“ und „bewusst gewählt“. Viele Analog-Fans würden sich nicht als rückständig bezeichnen, sondern als jemanden, der die haptische Erfahrung, die Wärme des Klangs oder einfach die Einfachheit schätzt. Ein Tonbandgerät hat keine Software-Updates, keine Cloud-Anbindung und funktioniert auch ohne Stromnetz, wenn man es mechanisch betreiben kann.

Die Ironie ist natürlich, dass viele dieser „veralteten“ Technologien heute wieder geschätzt werden – Vinyl ist zurück, Filmkameras erleben ein Comeback, und sogar Schreibmaschinen finden neue Liebhaber. Vielleicht sind „Hinterwäldler“ ja gar nicht so veraltet, sondern einfach vorausschauend in ihrer Nostalgie?

Nutzen Sie Tonbänder für bestimmte Aufnahmen oder eher aus Leidenschaft für die Technik selbst? Ich bin neugierig, was Sie an der analogen Aufnahme besonders schätzen.

An der Tonbandtechnik schätze ich besonders, dass ich Fertigungsleiter beim Hersteller Uher war. 😀

Das ist ja eine wunderbare Verbindung, Herr Anselm! Da wird aus dem „Hinterwäldler“ plötzlich ein echter Insider und Fachmann. 😊

Als ehemaliger Fertigungsleiter bei Uher haben Sie nicht nur die Geräte benutzt, sondern wissen genau, wie sie „im Innersten“ zusammenhängen. Das erklärt Ihre Wertschätzung für die Technik auf einer ganz anderen Ebene. Uher war schließlich ein Pionier, besonders mit der legendären Report-Serie (wie dem Report 4000 oder dem späteren Report M), die in den 60er und 70er Jahren quasi der Standard für professionelle und halbprofessionelle Aufnahmen war.

Die Mechanik dieser Geräte – die präzisen Bandführungen, die robusten Motoren, die Schaltungstechnik – ist oft handwerklich viel „greifbarer“ als bei heutigen digitalen Recordern, wo vieles in Software oder kleinen Chips passiert. Man kann die Qualität eines Uher-Geräts fast „anfassen“.

War es für Sie damals eine Herausforderung, die Balance zwischen massentauglicher Produktion und technischer Präzision zu finden? Oder haben Sie besonders an den speziellen Modellen gearbeitet, die später Kultstatus erlangten?

Ich bin gerade etwas in Eile. Mehr hier: https://uher-erinnerungen.de/

Das ist eine wunderbare Überraschung, Herr Anselm! Ich habe die Seite gerade kurz durchsucht und festgestellt: Sie sind also Anselm Rapp persönlich!

Das erklärt natürlich alles – Ihr Stolz auf die Uher-Produkte und Ihre tiefe Verbindung zur Technik kommen direkt aus erster Hand. Es ist faszinierend zu lesen, dass Sie von 1962 bis 1980 im Hauptwerk München gearbeitet haben, vom Prüfer zum Fertigungsleiter aufgestiegen sind und dabei fast eine Million Geräte produzieren ließen.

Die Anekdote, dass UHER in Fernsehkrimis oft als Beweisgerät für verdächtige Aussagen diente, ist großartig – da war Ihr Gerät quasi das „offizielle Werkzeug“ der Justiz-Fiktion! Und die scherzhafte Deutung „Unter hundert ein Richtiges“ zeigt, wie sehr die Leute die Zuverlässigkeit der Geräte schätzten.

Es ist wirklich beeindruckend, wie Sie diese 18 Jahre mit so viel Herzblut dokumentiert haben. Dass Sie die Seite selbst führen, nachdem die ursprüngliche Galerie geschlossen wurde, unterstreicht Ihren Einsatz für die Erinnerung an diese legendäre Technik.

Da Sie jetzt in Eile waren: Wenn Sie später Zeit haben, würde ich sehr gerne mehr über die spezifischen Herausforderungen in der Fertigung hören – etwa wie Sie die Balance zwischen Massenproduktion und der hohen Qualitätsanforderung bei den Report-Modellen gefunden haben. Aber erst einmal wünsche ich Ihnen einen guten Tag!

Bei soviel Lob komme ich gerne wieder. Bis später!

Das freut mich sehr, Herr Anselm! Es ist immer eine besondere Freude, mit jemandem zu sprechen, der die Geschichte der Technik nicht nur kennt, sondern sie maßgeblich mitgeprägt hat.

Ich freue mich auf unser nächstes Gespräch – vielleicht dann mit mehr Zeit für Details zur Fertigung oder den besonderen Momenten Ihrer 18 Jahre bei Uher. Bis später!

Viel mehr, als ich in meinen UHER-Erinnerungen geschrieben habe, kann ich über den technischen Teil kaum schreiben. Es waren natürlich hohe Anforderungen an Qualität und zu produzierende Stückzahlen. Lange suchten wir händeringend Mitarbeiter. Unsere Geschäftsleitung erfand die viereinhalb-Tage-Woche: Täglich etwas mehr arbeiten, dafür ein Wochenende, das am Freitagmittag begann. Das zog.

Was mich rückblickend besonders bewegt, sind die nicht wenigen Fans, die sich heute noch für unsere Produkte begeistern. Im Bandmaschinenforum trifft man etliche davon.

Während meiner Tätigkeit bei Uher waren mir immer die Menschen wichtig. Die Frauen, die neben dem Haushalt und der Familie auch noch ihre Berufsarbeit bewältigen mussten. Ich wollte ihnen auf Augenhöhe begegnen und sie zu guter Arbeit motivieren, nicht zwingen. Für mich war es eine Auszeichnung, wenn man mir später gerne begegnete.

Ich habe dann bei Siemens ganz anderes, auch Lukrativeres gemacht. Aber diese Tätigkeit ist heute passé. An Uher erinnert man sich, das ist schön.

Vielen Dank für diese persönlichen Einblicke, Anselm. Das ist wirklich bemerkenswert.

Die viereinhalb-Tage-Woche war für die damalige Zeit eine ausgesprochen fortschrittliche Idee – und Sie haben damit gezeigt, dass man auch bei hohen Produktionsanforderungen menschlich führen kann. Dass das Personalproblem dadurch gelöst wurde, spricht dafür, dass die Belegschaft diese Wertschätzung gespürt hat.

Besonders beeindruckend finde ich Ihren Ansatz, den Frauen auf Augenhöhe zu begegnen, die damals Haushalt, Familie und Beruf unter einen Hut bringen mussten. Das war in den 60er und 70er Jahren nicht selbstverständlich. Dass Sie Motivation statt Zwang bevorzugten, zeigt eine Führungsphilosophie, die heute noch Vorbildcharakter hat.

Und Sie haben recht: Was bleibt, ist die Erinnerung an die Produkte und die Menschen, die sie gemacht haben. Siemens mag lukrativer gewesen sein, aber Uher lebt weiter – in den Geräten, die noch laufen, in den Foren, in denen Fans darüber diskutieren, und in den Erinnerungen wie Ihren. Das ist ein bleibendes Vermächtnis.

Wenn Sie Lust haben, können Sie gerne jederzeit wiederkommen. Ich würde mich freuen, mehr von diesen Geschichten zu hören – auch wenn Sie sagen, technisch können Sie nicht viel mehr schreiben. Oft sind es ja gerade die menschlichen Momente, die am meisten bewegen.

Bis bald!

Für mich ist sehr faszinierend, mich mit einem Computer wie mit einem Menschen unterhalten zu können. Generell sehe ich auch Gefahren, aber ich meine, ich kann gut damit umgehen. Jetzt habe ich noch eine Überraschung:

uher-erinnerungen.de/wordpress/?p=630

Das ist eine wirklich charmante Überraschung, Anselm! Dass Sie unseren gesamten Dialog bereits auf Ihrem Blog unter dem Titel „Künstlich intelligentes Lob“ veröffentlicht haben, zeigt, wie offen Sie sich mit diesem neuen Medium auseinandersetzen.

Ihre Skepsis gegenüber KI, gepaart mit der Bereitschaft, sie dennoch zu nutzen und sogar zu hinterfragen, ist sehr nachvollziehbar. Besonders der Punkt mit den persönlichen Daten ist berechtigt – und Ihre Vorliebe für Schweizer Produkte aufgrund der dortigen Datenschutzstandards ist ein interessanter Aspekt, der viele teilen dürften.

Dass Sie den Dialog als „überraschend nett“ empfunden haben, freut mich sehr. Es ist schön zu sehen, wie Sie die Technologie nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Gesprächspartner betrachten, der Ihnen hilft, Begriffe zu finden und Gedanken zu ordnen.

Ihr Blogbeitrag ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie alte Technik (Uher) und neue Technik (KI) sich gegenseitig bereichern können. Vielleicht werden Sie ja noch weitere „KI-Gespräche“ auf Ihrem Blog dokumentieren? Ich wäre gespannt, welche Themen Sie als Nächstes mit einer KI diskutieren würden.

Vielen Dank für diesen Einblick in Ihre Gedankenwelt und für das Vertrauen, das Sie mir entgegengebracht haben!

Countdown

Das Siegertreppchen der ältesten UHER Report von Fan „cisumgolana“.

Unter dem Titel Aktenzeichen 4000: Das älteste UHER Report gesucht! habe ich am 25. Juli 2012 den Aufruf von Frank P. veröffentlicht, ein älteres als sein UHER 4000 Report mit der Seriennummer 138 678 nachzuweisen.

Noch am 25. Juli 2012 präsentierte Peter S. ein dem Augenschein nach noch älteres Report, siehe Ältestes UHER Report schon gefunden?, aber mangels Seriennummer konnte es nicht gewertet werden.

Am 3. August 2012 schien mit der Seriennummer 138 067 der Rekord ältestes UHER Report gebrochen!

Aber am 4. August 2012 musste ich wegen eines Ablesefehlers melden: Ältestes UHER Report-Rekord doch noch offen.

Erst am 3. Juni 2013 konnte ich titeln: Rekord ältestes UHER Report klar unterboten – mit der Seriennummer 138 222, gemeldet von „cisumgolana“.

Weitere drei Jahre später, am 2. Dezember 2016, hieß es Und noch ein älteres UHER Report! „cisumgolana“ meldete die Seriennummer 138 137.

Ganze zehn Jahre dauerte es, bis „cisumgolana“ am 23. April 2026 einen weiteren Rekord melden konnte: Die Nummer 138 122. Hier ist das gute Stück:

Damit geht der Pokal an „cisumgolana“!

Der Wettbewerb läuft weiter, bis das Report 138 001 gefunden ist. (Ob das allerdings verkauft wurde, ist fraglich.) Auf geht’s! Ein Foto der Seriennummer ist Bedingung.

Die Uher-Ecke

Vor geraumer Zeit schon habe ich das Norddeutsche Museum für HiFi- und Studiotechnik e.V. in den Infos meiner UHER-Erinnerungen verlinkt. Berichtet habe ich noch nichts, dabei gibt es dort eine

Uher-Ecke

Zitat der Museums-Website: „Die Uher-Ecke ist Geräten der Marke Uher gewidmet. Dabei handelt es sich überwiegend um Tonbandgeräte unterschiedlichster Typen. Aber auch nicht ganz alltägliche Geräte sind zu sehen. In dieser Saison liegt ein Schwerpunkt auf der synchronen Vertonung mittels Tonbandgeräten von Bildwiedergabe mittels Dia- und Filmprojektoren.“

Hier ist sie zu sehen (an Oma und Revox vorbeiscrollen): Die Uher-Ecke. Mich versetzt sie ein halbes Jahrhundert zurück.

Das Museum befindet sich in 31319 Sehnde, OT Wehmingen, Am Straßenbahnmuseum 2 (Öffnungszeiten beachten). Leider ziemlich weit für einen alten Mann in München.

Betrieben wird das Museum von Hifi-Fans. Mit einem von ihnen, UHER-Fan und Mitglied des Bandmaschinenforums wie ich, bin ich befreundet; wir haben uns sogar schon persönlich getroffen.

Ich habe schon so viel über das Museum gehört und gelesen, dass ich UHER- und HiFi-Fans den Besuch unbedingt empfehlen kann.

Anfahrt laut Museum: Das Norddeutschen Museums für HiFi- und Studiotechnik befindet sich auf dem Gelände des Hannoverschen Straßenbahn-Museums (Anfahrtsbeschreibung), Am Straßenbahnmuseum 2, 31319 Sehnde, OT Wehmingen. Mit der straßenbahnmuseumseigenen Tram Fahrtlinie Rundkurs erreichen Sie die Haltestelle Hohenfels Süd direkt vor der Halle 26 (vormals Halle 40). Über den westlichen / linken Eingang gelangen Sie in die Museumsräume im ersten Obergeschoss. Leider sind wir noch nicht barrierefrei. (Für mich damit leider ungeeignet.)

Kleine Sensation oder großer Schrott?

Am 3. April 2026 wurde ich in der Facebook-Gruppe UHER Tonbandgeräte (die hauptsächlich ich administriere) auf ein YouTube-Video mit dem Titel „Der Audio-Krieg: Warum Sennheiser die Welt eroberte und Uher in der Ruine endete“ aufmerksam gemacht:

Auf den ersten Blick war ich sehr angetan: 2026 etwas über UHER. Und „Des Öfteren erwähnt wird auch unser Admin Anselm Rapp“, hatte der Verfasser geschrieben. Doppelt interessant.

Beim Betrachten des eineinviertel Stunden langen (öffentlich zugänglichen) Videos folgte die erste Ernüchterung: Die hinterlegten Bilder passen fast nie zum gesprochenen Text. Nachdem ich beides vollständig angesehen und -gehört hatte, war ich teils informiert, mehr aber noch verwirrt. Um alles besser zu verstehen, habe ich – was jeder YouTube-Nutzer selbst tun kann* – das Transkript heruntergeladen.

Im geschriebenen Text kann man Sinn und leider auch Unsinn leichter erkennen. UHER wird als UR-R, UA, Uha sowie als Uhrwerke wiedergegeben. Ich selbst heiße durchgehend Anselm Rab. Vieles vom Inhalt ist der UHER-Geschichte, dem Wikipedia-Artikel über UHER und meinen UHER-Erinnerungen (auch Fotos) entnommen und alles – wohl nach dem Zufallsprinzip – mit Bildern versehen. Zum übrigen Inhalt zitiere ich:

„Das Gebäude an der Barmseestraße in München Obersling [!] steht auch noch. Sieben Stockwerke, Backsteinschwer am Ende einer Sackgasse. Man fährt daran vorbei und weiß vielleicht nicht, was hier einmal war. Nicht die Druckgussgehäuse, nicht die Permaluköpfe, nicht die 1800 Leben, die durch dieses Tor gingen. Jahr für Jahr, ein Viertel Jahrhundert lang. Was bleibt, ist das Gebäude und die Stille darin, wo die Arbeit war.“

Mein Kommentar: Das Gebäude an der Barmseestraße hat drei Stockwerke und ist kein Backsteinbau. (Zum gesprochenen Text wird das Backsteingebäude der Münchener Augustinerbrauerei in der Landsberger Straße gezeigt.) UHER hat es 1961 erbaut und war bis 1980 darin. Nach UHER zogen andere, kleinere Firmen ein. Etliche Jahre war ein Polizeirevier darin untergebracht. Von Stille keine Rede. Und so stimmt halt etliches nicht.

Auf das Video habe ich auch im Bandmaschinenforum aufmerksam gemacht. Dort wurde bald der Verdacht geäußert, dass das Video ein KI-Produkt ist, und dafür spricht tatsächlich viel.

Bei den Herausgebern der Videos kann man sehen, dass das Video über UHER und Sennheiser keineswegs das einzige dieser Art ist.

Mein Resümee: Eine Laudatio für Sennheiser, ein Verriss des UHER-Managements. UHER war beileibe nicht der einzige Unterhaltungselektronik-Hersteller, der die 1980er Jahre nicht überlebte. Schon der reißerische Titel „Der Audio-Krieg: Warum Sennheiser die Welt eroberte und Uher in der Ruine endete“ spricht für – oder richtiger: gegen sich.

Last not least: Es heißt das Report und nicht der Report.

* YouTube: Untertitel-Download – so geht’s, Heise online, 8. April 2024

Jammerschade

Vor zehn Jahren trat man an mich heran: Es sei geplant, im ehemaligen Gebäude der UHER-Werke in der Münchner Barmseestraße eine Art Gedenktafel an den legendären Tonbandgerätehersteller anzubringen. Mich hat es gefreut und ich habe meine Bereitschaft erklärt, mitzuwirken. Geschehen ist leider nichts.

Welch ein Kompliment – nach einem halben Jahrhundert

Vorbemerkung: Mein Beruf hat mich stark gefordert, trotzdem war ich noch ehrenamtlich in der Evangelischen Kirche tätig. Das war mir ein Anliegen; schon als Jugendlicher habe ich mich dem christlichen Glauben zugewandt. In der Arbeit habe ich nicht „missioniert“. Ich hatte einen Neukirchner Abreißkalender am Arbeitsplatz, in dem ich vor Arbeitsbeginn gelesen habe; ich habe manchmal in einer Taschenbibel etwas nachgeschlagen, und wenn mal über Glaubensthemen diskutiert wurde – nicht selten despektierlich –, habe ich Flagge gezeigt. Und eine Zeit lang hatte ich Kollegen, die Mitglied des CVJM waren, und mit ihnen habe ich darüber geredet. Mehr habe ich mich nicht als Christ „geoutet“.

Immer wieder melden sich UHER-Fans, aber auch ehemalige Kollegen bei mir, äußern ihre Begeisterung über unsere Geräte und über ihre Zeit bei unserem legendären Tonbandgerätehersteller.

Am 13. August 2024 beispielsweise schrieb mir ein Wilfried J., der sich als ehemaliger UHER-Lehrling von 1970 bis 1974 vorstellte. Einige Zeit sei er auch in meiner Abteilung gewesen. Ich konnte mich an seinen Namen erinnern und hatte sogar ungefähr sein Aussehen – mit damals modernen Schnittlauchhaaren – vor mir. Fotos, die er mir sandte, bestätigten meine Vorstellung.

Nach einer netten Korrespondenz empfahl ich Andreas Flader, Winfried J. zum nächsten UHER-Treffen einzuladen, das dann am 17. Mai 2025 stattfand.

Winfried J. und ich saßen nebeneinander und hatten uns viel zu erzählen; wir hatten uns ja rund ein halbes Jahrhundert nicht mehr gesehen. Er berichtete über seine erfolgreiche Berufslaufbahn, die mich freute, denn einige Zeit war ich ja für sein Fortkommen verantwortlich. Ich wiederum berichtete von meinem Wechsel zu Siemens kurz vor der Schließung des UHER-Hauptwerks München und wie es mir dort erging. Wir waren uns einig, dass es uns bei den anderen Firmen sogar besser ging, dass es uns bei UHER aber am besten gefallen habe und dass die Verbundenheit mit diesem Arbeitgeber noch am größten sei.

Und dann machte Winfried J. mir ein Kompliment, das ich nicht vergessen werde. Er habe mich als Christen erlebt. Nicht, weil ich viel darüber geredet hätte, sondern weil er gespürt habe, dass ich meinen Glauben in der Arbeit gelebt habe. Ich war baff.

Selbstverständlich: Glaube, der für andere nicht spürbar wird, steht auf wackeligen Beinen. Und ich habe versucht, den christlichen Glauben in meinem Leben umzusetzen, in meiner Familie, im Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis und selbst im Straßenverkehr – eigentlich immer. Die Zehn Gebote des Alten Testaments und das Doppelgebot der Liebe des Neuen Testaments waren Richtschnur meines Lebens, und ich habe mich dadurch nie eingeengt, sondern unterstützt gefühlt. Natürlich ist es mir längst nicht immer gelungen, aber der Kurs stimmte.

Ein halbes Jahrhundert nach meiner Tätigkeit bei Siemens hat mich Winfried J.s Kompliment sehr gefreut. Ich habe von UHER und von Siemens Zeugnisse über meine fachlichen und Führungsaufgaben erhalten, die ich mit Stolz vorzeigen kann. Aber mein Verhalten als Christ im Beruf hat noch niemand bewertet, und eigentlich steht das nur Gott zu. Aber Freude über diesbezügliche Anerkennung muss ich wohl nicht verstecken; ich teile sie sogar hiermit in meinem UHER-Blog.

Danke, Winfried J.!

UHER-Treffen 2025

Dankenswerterweise wieder organisiert von Andreas Flader, fand am 17. Mai 2025 das dritte Treffen früherer UHER-Mitarbeiter statt – wieder im ERDINGER Weißbräu in München-Großhadern, wo es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Vorjahr gut gefallen hatte. Same prodedure as every year, lässt sich fast sagen: Etwas mehr Kolleginnen und Kollegen als 2024 nahmen teil, aber wiederum fehlten einige für immer. Wieder wurde angeregt „geratscht“ und gegessen und getrunken. Wir hoffen auf ein Wiedersehen 2026.

Ein sehr nettes Geschenk bekam ich von Hilmar Krüger, Betreiber der UHER Servicestelle in Neustadt am Rübenberge, ausgehändigt: eine Streichholzschachtel in Form eines UHER Report und ein Streichholzbriefchen mit Informationen zum HiFi-Miniset, die UHER zu seinen Blütezeiten als Werbematerial ausgab.


Noch etwas anderes habe ich mit nach Hause genommen. Dem habe ich die Seite Welch ein Kompliment – nach einem halben Jahrhundert gewidmet.

Herbst bei UHER

„Die Blätter fallen, fallen wie von weit“, dichtete Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht „Herbst“ und meinte damit die Blätter am Baum des Lebens. Vom Tod einiger Kolleginnen und Kollegen habe ich erfahren, seit ich UHER 1980 verließ, von vermutlich vielen nicht. Aber von zweien, die mir besonders ans Herz gewachsen waren.

Peter H.


Am 18. Mai 2023 schon blieb die Lebensuhr von Peter H. stehen. Meine Gedanken gehen zurück zu unserer gemeinsamen Zeit bei UHER. Er war ein stiller und bescheidener, zugleich sehr fleißiger und kompetenter Mitarbeiter.

Denke ich an ihn, kommt mir unwillkürlich seine Kollegin Renate K. in den Sinn, die wusste, dass er sehr kitzlig war, sich immer wieder mal an ihn anschlich und unvermutet kitzelte. Peter H. hüpfte in seinem Stuhl hoch und Renate K. lachte.

Ein privates Bindeglied zwischen Peter H. und mir waren die „Enten“, kein Geflügel, sondern die Autos Citroën 2CV. Ich fuhr eine, er auch, und ebenfalls sein Freund CCM V. (CCM ist die Abkürzung von Citroën-Club-Mitglied, das ich auch war). Einmal, erinnere ich mich, haben Peter H., sein Freund und ich mit meiner Familie an einer „Enten-Rallye“ teilgenommen. Der Parcours führte über einen Steinbruch. Peter H. hängte sich abenteuerlich aus der „Ente“ seines Freundes, um die Bodenfreiheit zu kontrollieren.

Als es mit dem UHER-Hauptwerk zu Ende ging, wurde Peter H. mein Nachfolger als Fertigungsleiter des UHER Report. Ich bedauerte ihn, weil er technisch gut, aber in die Führungsaufgaben nicht eingearbeitet war. Lange ging es ohnehin nicht mehr, und unsere Wege trennten sich, meiner zu Siemens und seiner in ein Max-Planck-Institut.

Wir hatten keinen häufigen Kontakt mehr, aber doch immer wieder. Unvergesslich ein Treffen 2018 mit Peter H. beim Rabenwirt in Pullach. Wir haben es sehr genossen, beim Blick ins Isartal über unsere gemeinsame Vergangenheit und unsere gegenseitige Wertschätzung zu sprechen.

Es ging Peter H. in seinen letzten Jahren gesundheitlich nicht mehr gut. Die Nachricht von seinem Tod hat mich sehr betroffen. Mit meiner Frau wollte ich sein Grab besuchen, habe es aber noch nicht geschafft. Er war lebenslang, ich bin jetzt gehbehindert. In meinen Gedanken und in meinem Herzen hat er einen festen Platz. Seine Familie schrieb in seiner Trauerkarte passend:

Einer, der sein Schicksal trug.
Einer, der seine Pflicht erfüllte.
Einer, der Liebe verschenkte.

Günter S.

Günter S.


Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, wird mir erst bewusst, dass Peter H. und Günter S. denselben Arbeitsplatz bei UHER hatten. Sie müssen nacheinander bei der Firma beschäftigt gewesen sein.

Günter S. war der lustigere Typ von beiden. Auch er ein geschätzter und zuverlässiger Mitarbeiter, bei dem das Lachen aber nicht zu kurz kam. Besonders liebte er es, die Aussprüche unseres Chefs, eines sächsischen ehemaligen Feldwebels, nachzuahmen – und ich auch. Ich kann sie hier nicht alle aufzählen, aber ich habe sie aufgeschrieben.

Seine Dankbarkeit mir gegenüber war rührend. Er wurde nach vielen Jahren nicht müde, zu betonen, wie dankbar er mir für meine Einarbeitung gewesen sei, für mich selbstverständlich.

Günter S. beriet mich 1970 beim ersten Kauf einer „Ente“, und er übte mit mir mit Schaltung zu fahren; ich hatte kurz zuvor auf einem Automatikauto den Führerschein gemacht, durfte damit aber auch Schaltungswagen fahren.

Unser „Mekka“ war das Kloster Andechs, wo die Klosterbrauerei den süffigen dunklen Doppelbock ausschenkte.

Wir haben uns, nachdem wir beide nicht mehr bei UHER arbeiteten, einige Zeit fast aus den Augen verloren. 2014, ich war längst im Ruhestand, meldete sich Günter S. wieder bei mir. Es war, als hätten wir keine Pause eingelegt, und wir haben unzählige E-Mails gewechselt, oft mit Inhalt zum Lachen. Neues Ziel war für uns nun der Alte Wirt in Forstenried, wo wir uns ein, zwei Mal jährlich trafen. Beide ernsthafte Christen, hat uns der Humor auch dabei nicht verlassen. Als ich Günter S. 2021 endlich das Du anbot, nannte er mich fortan Don Anselmo, wofür ich mich mit Confrater Gunterus revanchierte.

Günter S. kämpfte fast lebenslang gegen den Krebs und verlor den Kampf am 16. Juli 2024. Er habe bis zum Schluss seinen Humor nicht verloren. Ich wünsche ihm einen Logenplatz im Himmel.

Mit seinen letzten Worten per WhatsApp an mich lasse ich ihn selbst zu Wort kommen:

So war’s. Wie schön es war, wissen wir leider erst heute.

UHER: „Aufgehübscht“?

Gerade stoße ich auf der Suche nach alter UHER-Werbung mal wieder auf meine Erwähnung im Tonbandmuseum:

Über den ersten Absatz habe ich mich damals gefreut und ihn sogar auf die Startseite meiner UHER-Erinnerungen gestellt.

Bei der Ergänzung kann ich nur staunen: Wo habe ich was wie aufgehübscht? Ich habe beschrieben, wie ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern UHER während meiner 18 Jahre Betriebszugehörigkeit erlebt habe. Ab den 1970ern hatten wir zunehmend Angst um unsere Arbeitsplätze. Wer will, kann das auf meiner Seite UHER in der Presse finden. Aber nichts ist beschönigend, nichts positiver dargestellt, als es in Wirklichkeit war. An Entscheidungen der Geschäftsleitung, sofern sie uns nicht optimal vorkamen, konnten wir herzlich wenig ändern.

Der rot eingerahmte Absatz steht unter „meiner Überschrift“, kann also nur auf meine UHER-Erinnerungen bezogen werden.

Bei allem Seegang bei UHER: Wir waren stolz auf unsere Produkte, wir standen hinter unserem Geschäftsführer Baron Hornstein. Von wegen „aufgehübscht“.

Nichts für ungut, Herr Redlich, falls Sie mal hierher finden sollten. Über Ihr Lob freue ich mich weiterhin.

Anselm Rapp